Ausgabe #8: Mindset & Nervensystem
Hallo,
eigentlich hatte ich dir für diese Woche die Füße versprochen. Die kommen auch, nächste Woche. Aber ich habe gerade ein Video veröffentlicht, das genau das erklärt, was ich dir in der letzten Ausgabe angeteasert habe: warum Knie, Rücken und Nacken viel enger zusammenhängen, als die meisten denken. Die Antwort liegt nicht in den Gelenken. Sie liegt in deinem Nervensystem.
Dein Körper ist nicht kaputt
Das ist vielleicht der wichtigste Satz, den ich dir in diesem Newsletter je schreiben werde. Viele Menschen mit chronischen Schmerzen glauben, ihr Körper sei beschädigt, verschlissen oder einfach kaputt. Die Wahrheit ist eine andere: Schmerz ist keine direkte Folge von Schaden. Schmerz ist eine Entscheidung deines Nervensystems. Dein Gehirn wertet ständig aus, ob es dich schützen muss, und Schmerz ist sein stärkstes Schutzsignal. Das erklärt, warum Menschen mit auffälligen Befunden auf dem Röntgenbild völlig schmerzfrei sein können, während andere mit unauffälligen Bildern täglich leiden.
Wenn dieses Schutzsystem lange genug im Alarmmodus läuft, passiert etwas, das Fachleute zentrale Sensibilisierung nennen. Vereinfacht gesagt: Dein Nervensystem dreht die Empfindlichkeit hoch. Reize, die früher harmlos waren, werden plötzlich als Bedrohung gemeldet. Der Schmerz hat sich dann vom ursprünglichen Auslöser gelöst und ist zum eigenen Muster geworden. Genau deshalb hilft es oft nicht, immer nur an der Stelle zu behandeln, wo es wehtut.
Und das erklärt auch etwas, das viele verwirrt: Warum haben selbst starke und bewegliche Menschen chronische Schmerzen? Weil Belastbarkeit mehr ist als Muskelkraft. Ein Nervensystem, das durch Dauerstress, Schlafmangel und ständige Anspannung im Schutzmodus festhängt, meldet Schmerz, egal wie fit der Körper ist. Damit Schmerzen langfristig gehen, braucht es deshalb drei Bausteine: ein Nervensystem, das wieder Sicherheit lernt, einen Körper, der schrittweise echte Belastbarkeit aufbaut, und das Verständnis dafür, was in dir eigentlich passiert. Fehlt einer davon, kommt der Schmerz meist zurück. Und wie immer ehrlich: Ich bin Schmerzexperte und Coach, kein Arzt. Neu auftretende, unklare oder von Ausfallerscheinungen begleitete Schmerzen gehören immer zuerst ärztlich abgeklärt.
Praktische Übung: Die verlängerte Ausatmung
Dein Nervensystem hört nicht auf gute Argumente, aber es hört auf deinen Atem. Mit dieser Übung sendest du ihm das direkteste Sicherheitssignal, das du hast:
- Setz dich bequem hin oder bleib einfach stehen, wo du gerade bist.
- Atme vier Sekunden ruhig durch die Nase ein.
- Atme sechs bis acht Sekunden langsam durch den Mund wieder aus, deutlich länger als du eingeatmet hast.
- Wiederhole das zehn Atemzüge lang.
Die verlängerte Ausatmung aktiviert den Teil deines Nervensystems, der für Ruhe und Regeneration zuständig ist. Mach das zwei bis drei Mal täglich, besonders in stressigen Momenten. Es ist unscheinbar, aber es trainiert deinem System genau das an, was ihm bei chronischem Schmerz fehlt: das Gefühl von Sicherheit.
Video der Woche
Dein Körper ist nicht kaputt (die Wahrheit über chronische Schmerzen)
In diesem Video erkläre ich dir ausführlich, was zentrale Sensibilisierung wirklich bedeutet und warum dein Nervensystem im Schutzmodus festhängen kann. Du siehst außerdem am Beispiel von Andreas, einem 30 Jahre alten Zimmermann, wie der Weg aus diesem Muster konkret aussieht.
Nächste Woche geht es dann wie versprochen nach ganz unten: zu deinen Füßen und wie sie deine gesamte Körperhaltung mitbestimmen.
Bis dann, Tim Medwed Schmerzexperte & Online Coach
Wenn du das Gefühl hast, dass du schon alles probiert hast und dein Schmerz trotzdem bleibt, dann liegt es vermutlich nicht an dir, sondern daran, dass bisher niemand mit deinem Nervensystem gearbeitet hat. Genau da setze ich an:
P.S. Eine Frage an dich: Hast du schon einmal erlebt, dass dein Schmerz in stressigen Phasen stärker wurde, obwohl du körperlich nichts anders gemacht hast? Antworte mir gern auf diese Mail, ich lese jede Antwort persönlich.

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