Ausgabe #19: Schulter & Nackenschmerzen
Hallo,
wie versprochen geht es diese Woche um Schulter und Nacken. Ich schreibe dir das ganz bewusst als jemand, der das Thema selbst lange unterschätzt hat, weil es nie ein einzelner Moment war, der weh getan hat, sondern die Summe vieler Stunden.
Dein Nacken macht selten einen Fehler, er macht meistens zu lange dasselbe
Die meisten Menschen suchen bei Nackenschmerzen nach dem Auslöser. Falsch gelegen, Zug bekommen, eine ruckartige Bewegung. Manchmal stimmt das. Viel häufiger ist es aber kein Ereignis, sondern ein Zustand: Deine Schulter- und Nackenmuskulatur steht dauerhaft unter Spannung, und du merkst es nicht mehr, weil es dein Normalzustand geworden ist.
Das ist der Punkt, den ich in meinem Video zu diesem Thema betone. Spannung, die du nicht wahrnimmst, kannst du auch nicht bewusst loslassen. Dein Körper hält die Schultern leicht hochgezogen, den Kopf ein Stück vorgeschoben, den Kiefer fest, und weil das über Stunden nur wenig Kraft kostet, meldet dein Nervensystem nichts. Bis die Muskulatur nach Wochen oder Monaten nicht mehr erholt, sondern nur noch verwaltet.
Deshalb wirkt Massage oder Dehnen im Nacken so gut und hält so kurz. Beides senkt die Spannung für eine Weile. Aber es beantwortet nicht die eigentliche Frage: Warum geht dein Körper überhaupt wieder in diese Haltung zurück, sobald du aufstehst? Solange sich an der Dauer der Belastung und an der Belastbarkeit deiner Schultergürtelmuskulatur nichts ändert, ist jede Entspannung nur eine Pause.
Und weil ich ehrlich bleibe: Nackenbeschwerden, die mit Taubheit oder Kribbeln in Arm oder Hand einhergehen, mit Kraftverlust, starkem Schwindel oder Schmerz nach einem Sturz, gehören ärztlich abgeklärt. Ich bin Coach und Schmerzexperte, kein Arzt, und ich stelle keine Diagnosen.
Dein Test und deine Übung für diese Woche
Zuerst der Test, und er dauert fünf Sekunden. Stell dir heute drei Erinnerungen am Handy, verteilt über den Tag. Wenn sie klingeln, prüfst du nur zwei Dinge: Wo sind gerade meine Schultern, und wo ist mein Kiefer? Wenn du bei mindestens zwei von drei Kontrollen merkst, dass die Schultern höher stehen als nötig, hast du deine Antwort. Nicht verspannt, weil etwas kaputt ist, sondern angespannt, weil niemand die Spannung je wieder abgestellt hat.
Und jetzt die Übung dazu:
- Setz oder stell dich aufrecht hin, Arme locker an der Seite.
- Zieh beide Schultern bewusst nach oben Richtung Ohren und halte drei Sekunden. Ja, absichtlich in die Spannung hinein.
- Lass sie dann über fünf Sekunden langsam sinken, so weit, bis du das Gefühl hast, sie hängen an deinem Brustkorb statt an deinem Nacken.
- Danach ziehst du die Schulterblätter leicht nach hinten und unten und hältst zwanzig Sekunden ruhig, ohne die Luft anzuhalten.
- Fünf Durchgänge, zwei bis drei Mal am Tag.
Der wichtige Teil ist Punkt drei. Du trainierst hier nicht Kraft, sondern die Fähigkeit, den Unterschied zwischen Spannung und Ruhe überhaupt wieder zu spüren. Wer das nicht spürt, kann es auch nicht steuern.
Video der Woche
Du bist als Unternehmer dauerhaft angespannt ohne es zu merken
In diesem Video erkläre ich, warum dauerhafte Anspannung so unauffällig bleibt und trotzdem dafür sorgt, dass Beschwerden immer wiederkommen. Genau darauf baut die Übung dieser Ausgabe auf: Erst wahrnehmen, dann steuern, dann belastbarer werden.
Nächste Woche schauen wir uns an, welche Rolle dein Nervensystem und dein Stresslevel dabei spielen, wie stark du Schmerz überhaupt empfindest.
Bis dann, Tim Medwed Schmerzexperte & Online Coach
Wenn deine Schultern seit Jahren oben stehen und sich nach jeder Behandlung nur kurz etwas ändert, dann fehlt selten die nächste Anwendung. Es fehlt ein Aufbau, der zu deinem Alltag passt und nicht dagegen arbeitet. Genau das machen wir im Coaching.
P.S. Eine persönliche Notiz: Ich habe jahrelang geglaubt, mein Nacken sei einfach empfindlich. In Wahrheit habe ich ihn nie losgelassen. Die Erkenntnis war unangenehm und gleichzeitig die beste Nachricht, denn an etwas, das man selbst tut, kann man auch etwas ändern.

Antworten