Ausgabe #18: Fußschmerzen & Ganzkörperhaltung
Hallo,
letzte Woche habe ich dir versprochen, dass wir uns die Füße anschauen. Ich freue mich auf dieses Thema, weil kaum ein Körperteil so selbstverständlich behandelt wird und gleichzeitig so viel darüber entscheidet, wie dein restlicher Körper arbeitet.
Dein Fuß ist die erste Entscheidung in jedem Schritt
Bei jedem Schritt landet dein Körpergewicht zuerst im Fuß. Erst danach kommt die Kraft im Knie an, dann in der Hüfte, dann im Rücken. Dein Fuß entscheidet also nicht nur, ob er selbst weh tut. Er entscheidet auch, in welchem Winkel und mit wie viel Wucht alles darüber belastet wird. Wenn dein Fuß beim Auftreten nach innen wegkippt, dreht sich der Unterschenkel mit, das Knie fällt nach innen, das Becken kippt zur Seite, und dein unterer Rücken muss das ausgleichen. Zehntausend Mal am Tag.
Deshalb ist Fußschmerz oft nur die lauteste Stelle einer Kette, die schon länger nicht sauber arbeitet. Und umgekehrt: Rücken- oder Hüftbeschwerden, die trotz Übungen nicht verschwinden, hängen manchmal daran, dass unten im Gang nie etwas verändert wurde. Ferse morgens beim ersten Schritt, Fußsohle nach langem Stehen, Brennen im Vorfuß gegen Abend, das sind alles Belastungsmuster, keine zufälligen Ereignisse.
Jetzt der Teil, der unbequem ist. Die häufigste Reaktion auf Fußbeschwerden ist eine Einlage, ein neuer Schuh oder eine Faszienrolle. Das kann helfen und hat seinen Platz. Aber es verändert vor allem, wie dein Fuß gestützt wird, nicht, wie gut er selbst arbeiten kann. Ein Fuß, der jahrelang nur getragen wurde, wird nicht plötzlich belastbarer. Belastbarkeit entsteht durch Belastung, die dosiert und wiederholt wird, nicht durch Entlastung allein.
Und weil ich ehrlich bleibe: Es gibt Fußschmerzen, die abgeklärt gehören. Nach einem Umknicken, bei Schwellung, Taubheit, Nachtschmerz oder wenn du nicht mehr auftreten kannst. Ich bin Coach und Schmerzexperte, kein Arzt, und ich stelle keine Diagnosen.
Dein Test und deine Übung für diese Woche
Zuerst der Test. Stell dich barfuß hin, Füße hüftbreit, und verlagere dein Gewicht langsam auf ein Bein. Halte zwanzig Sekunden und beobachte nur den Fuß. Wandert dein Gewicht Richtung Innenkante? Krallen sich die Zehen fest? Musst du ständig nachkorrigieren?
Wenn ja, ist das kein kaputter Fuß. Das ist ein Fuß, der die Aufgabe nicht gewohnt ist.
Und jetzt die Übung dazu:
- Stell dich barfuß hin und verteile dein Gewicht bewusst auf drei Punkte: Ferse, Ballen unter dem großen Zeh, Ballen unter dem kleinen Zeh.
- Lass die Zehen dabei locker liegen, ohne zu krallen.
- Hebe langsam die Ferse an, so weit du sauber kannst, und senke sie über drei Sekunden wieder ab. Das Absenken ist der wichtige Teil.
- Zwölf Wiederholungen, danach dasselbe einbeinig, wenn es kontrolliert geht. Jeden zweiten Tag.
Achte weniger darauf, wie hoch du kommst, und mehr darauf, dass dein Gewicht nicht zur Innenkante rutscht. Sauber und niedrig schlägt hoch und wacklig.
Video der Woche
„Ich konnte immer weniger ...“ Wie Marion wieder sicherer geht und Treppen ohne Geländer schafft
Marion erzählt, wie sich ihr Gangbild verändert hat und wie sie Treppen heute ohne Festhalten am Geländer schafft. Genau darum geht es in dieser Ausgabe: Gehen und Stehen sind trainierbar, und die Übungen müssen zu dem passen, was dein Körper gerade kann, statt starr vorgegeben zu werden.
Nächste Woche schauen wir uns Schulter und Nacken an und warum der Schmerz dort selten dort entsteht, wo er sich meldet.
Bis dann, Tim Medwed Schmerzexperte & Online Coach
Wenn du merkst, dass sich einzelne Stellen abwechseln und der Fortschritt nie bleibt, dann fehlt meistens kein weiteres Hilfsmittel, sondern ein Aufbau, der die ganze Kette berücksichtigt. Genau das machen wir im Coaching.
P.S. Mich interessiert etwas: Wie oft bist du in einer normalen Woche eigentlich barfuß unterwegs, außer im Bett? Schreib mir deine ehrliche Schätzung, ich vermute, die Zahl überrascht dich selbst am meisten.

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