Ausgabe #15: Bevor du zur Physiotherapie gehst
Hallo,
kleine Planänderung: Ich hatte dir eigentlich das Thema Schlaf angekündigt. Das schiebe ich eine Woche, weil ich gerade ein Video veröffentlicht habe, das mir zu wichtig ist, um es liegen zu lassen. Es geht um den Moment, in dem die meisten Menschen mit Rückenschmerzen die entscheidende Weiche stellen, ohne es zu merken.
Was du klären solltest, bevor du mit Physiotherapie startest
Der klassische Ablauf sieht so aus: Der Rücken tut weh, du bekommst eine Verordnung, du gehst zehnmal hin, es wird kurzfristig besser. Ein paar Wochen später ist alles wieder da. Nicht weil Physiotherapie schlecht wäre, sondern weil vorher nie geklärt wurde, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll.
Was ich im Coaching immer wieder sehe: Menschen sammeln Termine, Übungen und Behandlungen, aber es entsteht nie ein System. Es fehlen drei Antworten. Erstens: Wie belastbar ist dein Rücken aktuell wirklich, also was hältst du heute aus, bevor Beschwerden kommen? Ohne diesen Ausgangspunkt kannst du gar nicht merken, ob du besser wirst oder nur einen guten Tag hattest. Zweitens: Wie sieht dein Alltag aus? Wenn du acht Stunden sitzt, dann muss der Plan mit diesem Alltag rechnen, sonst arbeitest du zweimal pro Woche gegen etwas an, das du an fünf Tagen selbst erzeugst. Und drittens: Wie wird gesteigert? Wenn die Übungen im Monat drei dieselben sind wie in Woche eins, wird dein Körper nicht belastbarer, er bleibt nur beschäftigt.
Der Unterschied zwischen kurzfristiger Linderung und echter Veränderung liegt genau hier. Linderung nimmt dir das Symptom ab. Belastbarkeit sorgt dafür, dass das Symptom gar nicht mehr entstehen muss. Dafür musst du selbst verstehen, was du tust und warum. Sonst brauchst du in zwei Jahren wieder jemanden, der dich behandelt, und hast in der Zwischenzeit viel Zeit, Geld und Vertrauen in deinen eigenen Körper verloren.
Dein Tipp für diese Woche
Mach dir eine ehrliche Standortbestimmung, bevor du den nächsten Termin vereinbarst. Das dauert fünf Minuten und verändert jedes Gespräch, das du danach führst.
- Schreib auf, bei welcher konkreten Alltagsbelastung deine Beschwerden anfangen. Nicht "beim Sitzen", sondern "nach etwa 40 Minuten Sitzen" oder "ab dem zweiten Stockwerk". Das ist deine aktuelle Belastungsgrenze und dein Messwert.
- Notiere die drei Dinge, die du im Alltag am häufigsten machst und die am meisten Zeit fressen. Genau die entscheiden über deinen Verlauf, nicht die zwei Trainingsstunden pro Woche.
- Formuliere ein konkretes Ziel in einem Satz, das du überprüfen kannst. Also nicht "schmerzfrei sein", sondern zum Beispiel "eine Stunde ohne Beschwerden am Schreibtisch sitzen können".
Nimm diese drei Punkte mit zu deinem nächsten Termin und frag: Wie kommen wir von hier dorthin und wie wird gesteigert? Wenn darauf eine klare Antwort kommt, bist du in guten Händen.
Video der Woche
Rückenschmerzen? Das würde ich tun, BEVOR ich zur Physiotherapie gehe
In diesem Video gehe ich Schritt für Schritt durch, welche Fragen du klären solltest, bevor du mit Physiotherapie oder einer anderen Behandlung startest. Es ist die ausführliche Version von dem, was du oben gelesen hast, und besonders hilfreich, wenn du gerade am Anfang deiner Beschwerden stehst.
Nächste Woche kommt dann wie versprochen das Thema Schlaf und warum deine Regeneration oft mehr über deine Schmerzen entscheidet als jede einzelne Übung.
Bis dann, Tim Medwed Schmerzexperte & Online Coach
Wenn du das Gefühl hast, seit Jahren Behandlungen zu sammeln, ohne dass ein roter Faden entsteht, dann lass uns einmal in Ruhe darüber sprechen. https://www.timmedwed.at
P.S. Ich habe selbst jahrelang genau diesen Fehler gemacht: Termin um Termin, ohne je zu fragen, wohin das eigentlich führen soll. Rückblickend war das die teuerste Lücke in meinem eigenen Weg.
Hinweis: Ich bin Schmerzexperte und Coach, kein Arzt. Dieser Newsletter ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

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